Veröffentlicht in Interaktivität, storytelling, Theoretisches

Theoretisches: Interaktivität

Das Problemkind aller Definierwütigen, da sie allerlei Fachgebiete umspannt und dementsprechend interdisziplinär betrachtet werden muss. Ursprünglich kommt der Begriff vom lateinischen inter agere, was so viel bedeutet wie zwischeneinander/untereinander handeln. Diese Ableitung von der Interaktion ist den vielen Definitionen von Interaktivität mehr oder weniger gemein, dennoch sind die Ansätze zahlreich und verschieden.

So kann der soziale Kontext in die Betrachtung einbezogen werden oder eben nicht. Andererseits wird vielleicht schlicht der technologische Aspekt in den Vordergrund gestellt. Führt man beides zusammen, erhält man die für unseren Kontext wohl einleuchtendste Beschreibung: Um Interaktivität handelt es sich demzufolge dann, wenn bei einer realen Interaktion zwischen Menschen oder zwischen Menschen und Maschinen neben dem menschlichen Verhalten auch eine technische Komponente innerhalb des Kommunikationsprozesses vorausgesetzt ist (Hochmair 2009). Quiring und Schweiger beschreiben die Interaktivität daher als „einen Prozess, der ausschließlich technisch vermittelte soziale Kommunikation umfasst.“ Während für sie die wahre Interaktivität jedoch nur dann besteht, wenn der Bedeutungsaustausch zwischen zwei Menschen durch ein als Kommunikationsmittel dienendes, technisches System erfolgt, stecken wir unser Spielfeld etwas großzügiger ab. Wir schließen die Interaktivität zwischen einem Nutzer und einem System nicht aus. Denn selbst wenn das Mediensystem Bedeutung (noch) nicht aktiv konstruieren kann, so wird doch durch den zuvor entwickelten Content indirekt immer Bedeutung vermittelt, mal ganz abgesehen von den Möglichkeiten des User-generated-Contents. Abschließend bleibt zu bemerken, dass eine weitere wichtige Voraussetzung für die Interaktivität – die gegenseitige Beeinflussung – übrigens auch ist, dass sich die Nutzer ihrer bewusst sind. Andernfalls verzichteten sie schließlich auf ihre Einflussnahme, was eine Interaktivität wiederum ausschließt.

 

Quellen:
Marco Hochmair “Mobile TV und Interaktivität” (2009)
Quiring und Schweiger „Interaktivität – Ten Years After. Bestandsaufnahme und Analyserahmen.“ In: Medien & Kommunikationswissenschaft 54.1. (2006)
Sabine Grossbauer „Interactive Storytelling“  (2008)

 

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Ein Kommentar zu „Theoretisches: Interaktivität

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