Veröffentlicht in Handyvideo, Theoretisches

Micromovies: Wieder ein Snack diesmal fürs Handy

Micromovies bezeichnen Kurzfilme, die einerseits kompatibel zum Abspielen für das Handy sind und andererseits mit der Handyvideokamera gedreht wurden. Zahlreiche Festivalorganisatoren, Filmwissenschaftler usw. beschäftigen sich seit Jahren mit dem Thema, so auch Reinhard F. Wolf. Für das Online-Kurzfilmmagazin http://www.shortfilm.de hat der Autor recherchiert und Texte über das neue Format Micromovie veröffentlicht: „Der Begriff Micromovie wurde in den 80er Jahren in Nicholas Negroponte’s Architecture Machine Group am MIT geprägt und 1993 von Glorianna Davenport (Interactive Cinema Group am MIT Media Lab) im Kontext interaktiver Videodatenbanken – 1997 auf den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen vorgestellt – erweitert.“ (Wolf, 2005, S.1)


Andere Begriffe lauten mobisodes (zusammengesetzt aus „mobile“ und „episode“), mini-movies, pocket films, mobile videos oder aber Handyvideos. Diese Begriffe werden zumeist für Filme verwendet, die speziell für kleine Displays konzipiert wurden. Unter Micromovies verstehen wir hier jedoch Handyvideos, die nicht nur mit dem Handy angeschaut werden sondern bereits mit ihm gedreht wurden.

Nun scheiden sich aber die Geister, ob Micromovies ein neues Format in der Filmtheorie darstellen. Das kann an dieser Stelle nicht eindeutig belegt werden, auch wenn es mobile Plattformen wie Handys schon länger gibt. Gegen das Format Kurz- oder Langfilm kommen Micromovies bisher zumindest (noch) nicht an. Dafür gibt es die klassischen Filme schon allzu lang und da sich die mobile Technik zudem noch weiterentwickelt, konnte sich ein neues „mobiles Format“ bislang nicht etablieren. Fest steht, dass die Micromovies nicht nur der Technik hinsichtlich kleiner Displays und anderer Eigenschaften einiges abverlangt sondern auch unseren Sehgewohnheiten. Es wird dementsprechend spannend bleiben.

Ein Beispiel für diese Entwicklung: Bereits vor 5 Jahren war klar, dass Micromovies für kleine Bildschirme konzipiert werden müssen. Damals ging man von einer Handydisplay-Größe von drei mal vier Zentimetern aus und von einer Kameraqualität von 2 Megapixeln. Als Einschränkungen galten auch die kleinen Rechenkapazitäten und Speicherbeschränkungen. Nun ist mit der Einführung der Smartphones eine neue Generation von Displays auf den Markt gekommen. Für die zahlreichen Anwendungen hat sich hier ein größeres Display als vorteilhaft erwiesen: 800 x 480 Pixel. (Natürlich gibt es mittlerweile aber auch geringere bzw. höhere Auflösungen wie beim Hitachi-Display. Außerdem bilden sich HD-Handykameras zunehmend als Standard heraus. Hier gelten also neue Anforderungen und zu geringe Rechenkapazitäten sind in Zeiten des „Cloud Computing“ (s. Wikipedia) nun auch kaum mehr ein Hindernis.

Ein besonders aktuelles Beispiel möchten wir an dieser Stelle noch anbringen: „Paranmanjang“ von Park Chan-Wook (der englische Titel lautet: „Night Fishing“):

Der Südkoreaner ist immerhin kein Unbekannter. Vielen sollte er als Regisseur von „Oldboy“ und „Thirst“ bekannt sein. Dieser Film wurde komplett mit zwei iPhones 4 gedreht und teilweise um Aufnahmen der Mitarbeiter ergänzt, die sie während der Dreharbeiten machten, ebenfalls mit einem iPhone 4. Für Park Chan-Wook waren die Dreharbeiten eine entsprechend neue und erfrischende Erfahrung. Als Vorteile benennt er vor allem die nun möglichen anderen Perspektiven und das kleine Budget. Nachzulesen ist dies in einem Interview. Interessant ist übrigens auch, dass die südkoreanische Telefongesellschaft KT diesen Film mitproduziert hat.

Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass Park Chan-Wook erst vor ein paar Wochen auf der Berlinale mit dem goldenen Bären für den besten Kurzfilm ausgezeichnet wurde. Wir gratulieren herzlich und rufen die Ära der Handyfilme aus. Wird es die Gattung der Micromovies etwa wirklich in die Kinos schaffen? Zumindest der Anfang ist gemacht.

Quellen: Wolf, Reinhard W.: „Micromovies – Kurzfilme für die Westentasche. Teil 1“

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