Veröffentlicht in E-Book, E-Publishing, Tablet-PC

Lesen in Zeiten der Tablet-PCs

Dass Umbrüche mit Ängsten einhergehen, ist bekannt.  Angesichts der jüngsten Entwicklungen am Buchmarkt dürften derzeit wieder einmal die Vertreter des Verlagwesens besonders ängstlich sein. Nicht genug, dass verlegerisch tätige Geschäftsleute eine zunehmende Globalisierung des literarischen Geschmacks annehmen und dafür Köpfe rollen lassen wie bspw. den von Elisabeth Ruge vom Berlin Verlag. Sie zeichnete sich in ihrer Tätigkeit als Verlegerin des von ihr mitgegründeten Verlags dadurch aus, dass sie nicht nur große Namen herausbrachte sondern auch weniger bekannte Autoren förderte. Darüber hinaus scheint mit den Tablet-PCs nun doch noch die Umwälzung des Buchmarkts möglich, die den in Deutschland meist überteuert vertriebenen Lesegeräten für E-Books und E-Papers bisher nicht so recht gelingen wollte. Schließlich sind die Tablet-PCs in ihrer Nutzung weitaus weniger eingeschränkt. Im Hinblick auf die Verkäufe von E-Books wartete Steve Jobs jedenfalls bei der Vorstellung des iPad 2 jüngst mit einer besonders beeindruckenden Zahl auf: weltweit seien im iBookstore bisher 100 Millionen Downloads registriert worden. Zu den Lieferanten des iBookstore, der zusammen mit dem iPad gelauncht worden war, zählen neben den Großen der Branche − z. B. Hachette Book Group, HarperCollins oder Random House USA −insgesamt  rund 2 500 Verlage. Das ist beeindruckend und lässt darauf hoffen, dass die Verlage nicht die Zeichen der Zeit verkennen. Wünschenswert wäre allerdings, dass sie mit eigenen Konzepten nachziehen und zur Entwicklung beitragen können.

Zunehmende Kopfschmerzen dürften den großen Verlagen, die sich vor allem an Verkaufszahlen orientieren, einige scheinbar besonders marktträchtige Autoren bereiten. So etwa Amanda Hocking. Ihr gelang es, ihre auf der Kindle-E-Book-Plattform von Amazon selbst verlegten Büchern binnen kürzester Zeit millionenfach zu verkaufen. Auch wenn sie einräumt, dass die Verkäufe keineswegs von Anfang an auf Millionenauflagen hoffen ließen, so sprechen die im Dezember 2010 sowie Januar und Februar 2011 jeweils über 100 000 verkauften Exemplare mittlerweile für sich. Hocking hatte bereits über ein Dutzend Vampir-Romane in der Tasche, als sie den Schritt zur Selbstveröffentlichung wagte. Die Bücher kosten 0,99 bis 5,74 US-Dollar, was zu ihrem Erfolg wohl beitragen dürfte. Dank einer Umsatzbeteiligung von rund 70 Prozent, die im herkömmlichen Verlagsgeschäft kaum übertroffen wird, wurde das Geschäft für Hocking schließlich so gewinnbringend, dass sie ihren Job als Altenpflegerin im Dezember an den Nagel hing. Ausführlich beschreibt ein Anfang März erschienener Artikel des Spiegel dieses junge Phänomen. So jung übrigens , dass es die Autorin bisher nur auf drei Einträge bei Wikipedia gebracht hat, nämlich auf Englisch, Französisch und Polnisch.

Auch wenn es hier nicht unbedingt um neue Erzählformate geht, so wird doch ein sich veränderndes Konsumverhalten der Leser deutlich. Schuld sind, wie so oft, die technischen Neuerungen und die damit einhergehenden Möglichkeiten. Zumindest auf lange Sicht könnte sich die Buchbranche mit dem Vormarsch der E-Books selbst einen Gefallen tun. Denn bei  83 400 Erstauflagen allein in Deutschland im Jahr 2008 ist es nicht nur für die Leser schwer einen Überblick zu behalten und nicht immer wieder auf Altbewährtes zurückzugreifen. Dank der E-Books dürfte also in Zukunft einiges an Papierverschwendung verhindert werden.

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