Veröffentlicht in Handyvideo, Interaktivität, storytelling, Theoretisches

Webserien – filmisches Format im Internet

Ausgehend von der Tagung in Gießen „Narrative Genres im Internet und in anderen neuen Medien“ und dem dortigen Vortrag von Prof. Dr. Markus Kuhn wurden wir auf das Phänomen der Webserien aufmerksam. (Über das der mobisodes hatten wir bereits in einem früheren Beitrag berichtet.) Auf die erste Webserie, die ich sah, brachte mich eine Freundin: „Sex and Zaziki“ aus Düsseldorf. Damals tauschten wir uns noch über den Wahrheitsgehalt dieser Serie aus, ob sie nun professionell gedreht wurde oder nicht. Der Vorspann älterer Sendungen zeigte dann aber schnell, dass es sich hier um Profis handeln musste. Luftaufnahmen, stylishe Portraits, atemberaubende Kamerafahrten – ein ziemlich klares Indiz dafür, dass da ein Unternehmen dahinter steckte.

Zurzeit werden am Institut für Medien und Kommunikation an der Universität Hamburg, unter Leitung von Prof. Dr. Kuhn, über 60 deutsche Webserien auf ihre audiovisuellen Formen (bezugnehmend auf Serialität, Fiktionalität und Narrativität) untersucht. Angefangen beim wohl bekanntesten Beispiel, der Serie „lonelygirl15“ aus dem Jahr 2006, in der ein Mädchen scheinbar alltagsnah per Webcam den Zuschauern von ihrem Teenie-Leben erzählte. Bald stellte sich jedoch heraus, dass es sich um einen Fake handelte, denn in Wirklichkeit wurde „lonelygirl15“ von der damals 19-jährigen Schauspielerin Jessica Rose nur gespielt. Arrangiert wurde das Ganze von den jungen Filmemachern Miles Beckett, Mesh Flinders und Greg Goodfried.

Danach folgten viele weitere professionell angelegte Serien, die zumeist einen authentischen und alltagsnahen Bezug herstellen. Ein Beispiel aus Deutschland wäre die PIETSHOW. Hier war es das Leben einer WG, das mittels einer Webcam gefilmt wurde und deren Folgen direkt bei studiVZ hochgeladen wurden. Alle Akteure hatten passenderweise auch noch ein Profil bei studiVZ. Es war die perfekte Inszenierung einer ganz normalen Studenten-WG. Die Ästhetik der Webcam und auch die Story an sich wirkten privat und alltäglich. Prof. Dr. Kuhn spricht von Handkameraeffekten, z. B. Unschärfen, die einem das Private vermitteln sollen.

Interessant war des Weiteren, dass Webserien an sich nicht als eigenständiges Genre anzusehen sind, sie werden eher klassisch aus dem TV übernommen.Was sie ausmacht, wird hier kurz dargestellt (dabei beziehen wir uns wieder auf den Vortrag von Prof.Dr.Kuhn):

  • 3-10 min. Länge
  • zumeist in Videoportalen eingebettet
  • Markierung: Wasserzeichen oder einprägsamer Vorspann
  • serielle Struktur
  • hohe Erzählökonomie
  • Überlagerung von Mikro- und Markohandlungsbögen
  • Staffel endet meist mit Cliffhanger
  • figurenzentrierte Einstellungen mit Camcordern

Sicher ist diese Liste noch zu erweitern, vor allem vor dem Hintergrund interaktiver Möglichkeiten. Diese werden nämlich zunehmend interessanter: Während man schon in der ersten Staffel der Pietshow in der studiVZ-Community mit den Protagonisten kommunizieren konnte, wurde die 2.Staffel der Webserie noch interaktiver: User (von studiVZ) konnten ihre Videos hochladen und sich darum bewerben, selbst Teil der Show zu werden. Damit wurde ein hoher interaktiver Grad erreicht, vorausgesetzt, man wurde tatsächlich in die Show gewählt, um in die Story mehr oder weniger einzugreifen.

Andere Webserien hingegen zwingen die User bzw. Zuschauer geradezu zum Eingreifen und Weiterentwickeln der (wenn auch vorgegebenen) Story. So etwa die interaktive Krimi-Serie Epicsode: Hier müssen die User den entsprechenden Clue finden, um weitere Folgen freizuschalten. Oder aber der (angeblich) erste interaktive Horrorfilm „Last Call:13th Street“. Ein Zuschauer (der zuvor seine Telefonnummer hat registrieren lassen) wird im Kinosaal angerufen und muss der Hauptakteurin mittels Zurufen den Weg weisen. Dieser wird in Form von Wahlmöglichkeiten natürlich vorgegeben.

Habt ihr noch andere Beispiele für stark interaktive Webserien? Diese könnt ihr gerne dazu kommentieren.

An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Prof. Dr. Kuhn für seinen sehr aufschlussreichen Vortrag in Gießen!

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