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Transmedia Storytelling

„Transmedia Storytelling“ ist eines dieser Schlagwörter, die mit Bezug auf die Unterhaltungsindustrie oder Markenwelten von Unternehmen durch das Netz geistern. Um dem weißen Laken etwas Leben einzuhauchen, tut man gut daran, sich an den MIT-Prof. und Transmedia-Experten Henry Jenkins zu halten, der sich spätestens mit seinem Buch Convergence Culture einen Namen machte. Seine aktualisierte Definition des Begriffs stellte er im April bei der Transmedia Hollywood 2 Conference an der UCLA vor:

Wir greifen zudem seinen im April auf www.fastcompany.com veröffentlichten Beitrag über die 7 Mythen des Transmedia Storytelling auf, um das Thema etwas eindringlicher zu erläutern.

Vorab aber noch einmal eine zusammenfassende Definition von Transmedia Storytelling, natürlich in den Worten von Henry Jenkins: „Transmedia storytelling represents a process where integral elements of a fiction get dispersed systematically across multiple delivery channels for the purpose of creating a unified and coordinated entertainment experience.”

Und nun zu den Mythen! Demnach besteht der erste darin, dass all jenes Transmedia sei,  was mehr als ein Medium zur Verbreitung von Geschichten einbezieht. Jenkins weist darauf hin, dass die Unterhaltungsindustrie hierfür schon lange verschiedene Kanäle nutzt oder Geschichten adaptiert, die auf Romanen oder Comics basieren. Eine transmediale Verbreitung einer Geschichte bedeute jedoch, dass diese über die verschiedenen Kanäle erdacht und entwickelt wird, wobei jedes Medium einen eigenständigen Beitrag zu der Geschichte leistet.

Den Mythos Nummer 2, dass Transmedia nichts anderes als eine Werbestrategie sei, verneint er teilweise, indem er zugibt, dass viele transmediale Experimente anfangs von einem Marketing-Budget getragen wurden. Dennoch stellt er gleichzeitig heraus, dass Transmedia nur mit anhaltendem kreativem Input funktioniert.

Als dritten Mythos bezeichnet er, mit Verweis auf die vielen weiteren Kanäle des Storytelling, die Annahme, Transmedia bezöge sich allein auf Spiele.

Damit räumt er auch gleich mit dem seiner Meinung nach vierten Mythos auf: Transmedia ist also nicht nur irgendwelchen Geeks vorbehalten!

Der fünfte Mythos widmet sich der Annahme, Transmedia sei nur mit großem Budget machbar. Um dies zu widerlegen, verweist er auf Blair Witch Project.  Ssicherlich ließen sich hier auch noch jüngere Beispiele finden.

Der sechste von Jenkins vorgestellte Mythos bezieht sich nicht auf das transmediale Erzählen als solches, sondern vielmehr auf die Forderung danach, dass alles transmedial gemacht werden sollte. Ähnlich wie 3D  nicht für alle Filme sinnvoll ist, sind manche Geschichten einfach schon perfekt, obwohl sie nur in einem Medium erzählt werden. Transmedia hingegen eigne sich insbesondere für solche Geschichten, die mit einer Vielzahl von Charakteren und einer umfassenden Welt daherkommen.

Mir gefällt besonders der siebente Mythos: „Transmedia is so 10 minutes ago.“ Ist es nicht, sagt Jenkins. Was meint Ihr?

 

PS: Wer sich dafür interessiert, wie sich das Konzept des transmedialen Erzählens auf Ausstellungen übertragen lässt, sollte sich Claudia Wagners Gedanken zu diesem Thema in ihren Blogeintrag vom 31.03.2011 durchlesen.

 

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2 Kommentare zu „Transmedia Storytelling

    1. Interaktive Web 2.0 Literatur:
      „Zwirbler“ – der weltweit 1. Facebook-Roman

      Erinnern Sie sich an das Kindergartenspiel, bei dem jeder die Geschichte des anderen weitererzählt? Das gibt es nun auch digital, als Literatur zum Mitmachen für Erwachsene.

      „Zwirbler“ wird vom Autor TG in Facebook in Form von Statusmeldungen geschrieben, die Kommentare der User fließen dabei in die Geschichte ein. Die Leser können sich jederzeit am Roman beteiligen und so den Lauf der Geschichte verändern.

      Der Web-2.0-Roman trägt unserer digitalen Welt Rechnung. Im Alltag haben wir heute kaum mehr Zeit für einen langen Roman, „Zwirbler” kommt dem zugute: Schnell lesbare Statusmeldungen mit maximal 420 Zeichen bieten Genuss, Anregung und Überraschung bei der Arbeit am PC, am iPhone in der Straßenbahn, am Handy während der Pause oder am iPad auf dem Sofa.

      Die Kommentare der Leser werden umgehend und schonungslos in die Geschichte verarbeitet. Literatur entsteht direkt und in der Sekunde des Postens in Facebook. „Zwirbler” ist nur für Jugendliche ab 17 und Erwachsene. Es ist spannend, absurd, tiefgründig, skurril und manchmal auch schmutzig: aber nie langweilig. Der Ausgang des Romans bleibt somit bis zum Ende ungewiss.

      „Zwirbler“ gibt es gleichzeitig auch als Podcast: Der versierte Hörbuch-Sprecher Axel Grunt fasst mehrere Statusmeldungen zu Episoden zusammen.

      Der Einstieg ist jederzeit möglich: Durch einfaches Abonnieren (Drücken des „Gefällt mir“-Buttons) wird man zum Leser. Ohne Verpflichtungen – aber mit vielen Möglichkeiten – kann der Leser Teil des Facebook-Romans werden.

      „Zwirbler“ hat bereits über 7500 Fans, die den Roman verfolgen und ist hier zu lesen: http://www.facebook.com/Zwirbler.Roman

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